Bronchitis im Gepäck und Abenteuer im Herzen – 3 Tage on Tour
Vor vier Tagen haben wir uns auf große Fahrt nach Bovallstrand in Schweden gemacht. 1500 Kilometer, zwei Hunde, ein Ehepaar mit 50 Jahren gemeinsamer Abenteuererfahrung – und eine Bronchitis, die sich wie ein übergriffiger Mitbewohner einfach nicht ausquartieren ließ. Sie klebte an mir wie Pattex auf Omas Porzellanfigur. Charmant? Nein. Hartnäckig? Absolut.
Also: zwei Optionen. Entweder Couchpotato mit Hustensymphonie oder rein ins Abenteuer mit allem, was dazugehört – inklusive röchelnder Begleitmusik und einem Hauch von Selbstüberschätzung.
Kurz vor Abfahrt habe ich mein geistiges Team zu einer spontanen Krisensitzung einberufen – eine Art metaphysisches Briefing. Klare Ansage: „Unterstützt mich dabei, mein aktuelles Thema zu lösen!“ Und siehe da, es löst sich. Nur... anders als gedacht. Mein Körper tanzt gerade einen Detox-Walzer, als hätte er sich heimlich für „Let’s Dance“ beworben. Ich wollte den Ballast noch schnell zu Hause lassen – aber wie sagt man so schön? Der Mensch denkt, Gott lenkt. Und mein Immunsystem macht gerade Freestyle.
Die erste Etappe führte uns zu Giovanni nach Leipzig. Ein Hotel wie aus einem Paralleluniversum – schräg, charmant, perfekt für uns. Dort haben wir unseren 45. Hochzeitstag mit Pasta, alkoholfreies Bier und viel Dankbarkeit nachgefeiert. Danach ging’s früh ins Bett – zu viert, versteht sich. Die Hunde bestehen auf Kuschelrecht und haben ein ausgeprägtes Talent für Deckenmonopol.
Am nächsten Morgen: Weiterfahrt nach Rostock, dann ab auf die Fähre nach Trelleborg. Alles lief wie geschmiert – vermutlich hatten wir ein Upgrade auf Zeitlinie 5D. Die Überfahrt war ruhig, die Kabine kuschelig, und Freddy übernahm die Nachtschicht. Nichts entging seinem wachsamen Blick. Nicht mal das Rascheln eines Müsliriegels.
Als wir in Trelleborg ankamen, ging die Sonne auf – ganz dramatisch, wie im Film. Die Hunde waren elektrisiert. Das große schwimmende Ungeheuer spuckte einen LKW nach dem anderen aus seinem Maul. Dann waren wir dran. Chico schaute mich an, als wollte er sagen: „Muss ich da jetzt wirklich raus?“ Ich nickte. Er seufzte. Und los ging’s.
Die letzte Etappe führte uns nach Sotenäs Bovallstrand zum Häuschen. Spannung pur – wie bei einem Überraschungsei: „Ist es ein Schatz oder ein Schock?“ Unser Bauchgefühl war gut, aber kurz vor Schluss meldete sich der „Quatschi“ – mein innerer Katastrophenkommentator. Er hatte natürlich wieder ein Horrorszenario im Gepäck. Aber als wir die Zielgerade erreichten, war das Häuschen da. Ruhig. Idyllisch. Nur für uns vier.
Angekommen. Durchgeatmet. Danke, Leben. 





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