Meine erste Abenteuerwanderung in Schweden – mit nassem Hintern und duftender Muschel

Der Himmel über dem Islandtief tobte wie ein nordisches Orchester auf Erfolgskurs. Wolken in dramatischen Klangwellen, Lichtspiele wie aus einem Fantasyfilm – mal himmlisch hell, dann wieder düster wie ein Wagner-Opernfinale. Als das Himmelsensemble eine kurze Pause einlegte, schnappte ich mir meine Jacke, zog die Mütze tief über die Ohren und trat hinaus in die wilde, noch unerforschte Natur.

Vor mir: ein Gatter, das aussah wie eine Mischung aus Bockleiter und Wikingerturngerät. Ein Schild mit schwedischen Hieroglyphen – für mich so verständlich wie Elbisch. Doch zwei stilisierte Wanderer mit Stock gaben mir grünes Licht: Abenteuer voraus!

Die Hunde blieben diesmal zu Hause. Ich wollte in meinem Tempo losziehen – ohne an jedem Grashalm die Hundzeitung zu analysieren. Die Jungs sind da ja sehr gründlich. Ich hingegen war bereit für den strammen Schritt. Dachte ich zumindest.

Denn der Weg war kein Weg. Es war ein Trampelpfad deluxe: zertreten von Kühen, Wild und vermutlich auch ein paar Trollen. Geröll, Felsen, matschige Senken und fladige Grüße – ein echter Balanceakt. Ich fühlte mich wie eine Mischung aus Bergziege und Balletttänzerin auf Survival-Tour.

Am Ufer der Meeresbucht wurde es nicht besser – aber schöner. Natur pur, ohne menschliches Zupfen und Zurechtrücken. Im seichten Wasser lagen hunderte Muscheln wie kleine Schätze. Ich balancierte mich heldenhaft zu einer hin, zog sie an Land – und trug sie stolz wie eine Trophäe nach Hause. In meiner Tasche roch sie allerdings wie ein ganzer Fischmarkt. Hannes schnupperte später suchend durch die Küche, sein Gesicht eine Mischung aus Detektiv und Duftkritiker. Ich grinste. Abenteuer riecht eben manchmal streng.

Die Zeit vergaß ich komplett. Der Rundweg entpuppte sich als „Rundweg“ mit sehr viel „Weg“. Also zurück über denselben Trampelpfad. Ich bat mein geistiges Team um Schutz: „Bitte ohne Verstauchung zurück über die Bockleiter.“ Die Antwort kam prompt – in Form eines eleganten Ausrutschers auf einem Stein. Hosenboden nass, Stolz leicht angeknackst. Aber: nichts passiert. Ich bedankte mich mit einem inneren Lächeln für die himmlische Lektion in Demut und Achtsamkeit.

Die letzten Meter fühlten sich an wie ein Tanz mit der Erde. Mein Schritt passte sich ihrem Atem an, alles wurde still, weit und friedlich. Und da war sie wieder – die Bockleiter. Mein Ausgangspunkt. Mein Ziel. Mein Triumph.

Zurück im warmen Zuhause roch ich schon den Kaffee und die Zimtschnecken. Und ich schwöre: Sie schmeckten nach Abenteuer, nach Stolz, nach Schweden. Und ein bisschen nach Muschel.

Und während der letzte Schluck Kaffee meine Seele wärmt, weiß ich: Die Natur hat mir heute nicht nur den Atem geraubt, sondern auch ein Stück meines Herzens geschenkt.

„Vom Atem der Erde getragen, vom Licht berührt – ein abenteuerlicher Gruß in Verbundenheit,
Martina Maria“







Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog