🐾 Robben, Hasen und die Uhr, die nicht tickt – Mein Rendezvous mit der Stille
Und dann kam der Moment, in dem meine innere Stimme (die klingt übrigens wie eine Mischung aus Yoga und meiner Oma) flüsterte: „Kind, es ist Zeit. Raus da. Atme.“ Also habe ich mein Umfeld für ein paar Monate auf Pause gestellt – nicht aus Schwäche, sondern aus purer Weisheit. Denn wer im Rhythmus der Seele tanzen will, braucht manchmal einfach Stille statt Rambazamba.
Gepackt habe ich bewusst leicht – keine Uhr, kein Zeitdruck, kein „Du musst noch…“. Unser Ferienhaus? Ein Tempel der Zeitlosigkeit. Keine tickenden Monster, nur mein Handy, das ab und zu piepst, um mir zu sagen, dass ich es ignorieren kann wenn ich will.
📚 Die Lust zu schreiben kribbelt wieder in den Fingern. Ich erlaube mir, meinen Stil zu verändern – weg vom „muss perfekt sein“ hin zu „macht einfach Spaß“. Vor Jahren habe ich ein Buch geschrieben, fast verlegt, dann doch in die Tonne gekickt. Heute sage ich: Alles hat seine Zeit. Und meine Zeit ist jetzt.
Auch beruflich tut sich was. Neue Ideen sprudeln wie Mineralwasser mit extra Kohlensäure. Der Leistungsdruck verabschiedet sich höflich, und ich arbeite nur noch im Takt meines Herzens. „Tun um zu…“? Nein danke. Ich bin jetzt Team „Tun, weil’s gut tut“.
Und dann – mitten in einem Gedankenstrudel – paddelt plötzlich ein kleines Köpfchen durchs Meer. Eine Robbe! Neugierig, verspielt, und definitiv nicht fotogen. Kaum hatte ich mein Handy gezückt, war sie weg. Modeln? Fehlanzeige. Am Ufer saß ein Hase, der ihr zuschaute, als wäre das hier ein tägliches Naturkino. Ich schwöre, sie haben sich zugenickt.
Hinter mir klopfte ein Specht den Beat, ein freches Vögelchen pfiff die Melodie – ich war nicht allein auf meinem Felsen mit Nordseeblick. Freddy und Chico, meine vierbeinigen Mitbewohner, hatten heute Pause. Sie blickten mich beim Aufbruch an wie zwei nasse Socken. Aber mit Hunde wäre mir die Robbe wohl entwischt – und der Hase hätte mich für einen Leinenhalter gehalten.
Die Stille hier ist wie ein Buch, das sich von selbst aufschlägt. Ich könnte stundenlang darin lesen. Und nein, Stille ist keine Leere – sie ist der Raum, in dem die Seele endlich mal durchatmen und sagen kann: „Ach, das tut gut.“
Also, falls du gerade überlegst, ob du auch mal Pause drücken solltest: Tu es. Die Robbe wartet vielleicht schon.
Und jetzt? Jetzt kehre ich langsam zurück in meinen ganz persönlichen Rhythmus – den mit dem Kochlöffel in der Hand und dem Duft von Köttbullar in der Nase. Jawohl, es ist wieder Zeit für das schwedischste aller schwedischen Gerichte: Köttbullar mit Kartoffeln und einem ordentlichen Klecks Lingonsylt. Ob das nun ein kulinarisches Erbe oder einfach nur das inoffizielle IKEA-Menü ist, spielt keine Rolle – es ist ein Muss, solange wir hier sind.
Die Pfanne brutzelt, die Seele tanzt, und ich weiß: genau hier, zwischen Robbenblicken und Kartoffelstampfern, bin ich wieder ganz bei mir angekommen.
Bis zum nächsten Felsenmoment.
Martina




Kommentare
Kommentar veröffentlichen