🌿 Stillezeit in Bovallstrand – Gedanken zwischen Granit und Morgentau
Die Stille am Morgen ist goldwert. Nicht im Sinne von „kostbar“, sondern wirklich: wertvoll wie Gold, das man in sich trägt. Wenn mich etwas beschäftigt, gehe ich in die Stille. Einfach so. Ohne Erwartungen. Kopf aus. Herz an. Manchmal gelingt es mir – nicht immer, denn der „Quatschi“ da oben weiß ja immer was zu sagen. Aber ich übe. Und manchmal ist er einfach still. Dann wird’s magisch.
Es heißt: „Grab dir keine Grube durch Grübeln.“ Wie wahr. Eine weiße Sichtweise, klar wie das Licht über den Schären.
Ich liebe es hier in Schweden. Die Natur, das Meer, die Stille. Wenn man Stille hören kann, dann kommt man zu sich. Nicht laut, nicht dramatisch – sondern leise, wie ein Schmetterlingsflügel, der sich im Wind wiegt.
In solchen Momenten fällt mir ein Buch ein: „Hundert Schmetterlinge schenk ich dir“ von Friedrich Hechelmann, dem wundervollen Maler aus Isny im Allgäu. Darin steht ein Vers, der mich jedes Mal verzaubert:
„Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß, wie Wolken schmecken, der wird im Mondschein, ungestört von Furcht die Nacht entdecken.“
Und weiter:
„Der wird zur Pflanze, wenn er will, zum Tier, zum Narr, zum Weisen… …und kann in einer Stunde durchs ganze Weltall reisen.“
In mir klingen eigene Töne an:
„In solchen Momenten sind Sorgen frei – als hätte der Wind sie fortgetragen, und die Seele tanzt barfuß auf dem Morgentau der Erde.“
Stillezeit. Heilige Zeit. Meine Zeit.
Die Hunde blieben heute zu Hause. Freiwillig? Nein. Aber Frauchen hatte diesen bestimmten Blick. Und da hilft auch ein betröppelter Blick nicht viel – ich kenne diese Blicke. Sie haben mich schon oft umgestimmt. Nur heute nicht. Heute ist Besinnung dran. Und das geht mit zwei Spitzbuben, die ständig Aufmerksamkeit fordern, einfach nicht.
Ich spaziere durch Bovallstrand, diesen zauberhaften Ort an der Westküste Schwedens. Hier küsst rundgewaschener Granit die Wellen, Schären und Inseln liegen verstreut wie Gedanken, und windgeschützte Buchten laden zum Baden, Segeln und Träumen ein.
Die historische Badeanstalt auf kleinen Inseln, verbunden durch Stege, ist ein Sinnbild für die Verbindung von Mensch und Meer. Das Skagerrak, ein Arm der Nordsee, bringt salzhaltiges, klares Wasser – Teil eines maritimen Ökosystems, das sich bis zur norwegischen Küste und weiter in die Nordsee erstreckt.
Am Arm der Nordsee wo Granit die Wellen küsst, und Boote träumen in der Morgendämmerung, streckt sich das Meer leise wie ein Gedanke, der nie ganz vergeht. Hier tanzt das Licht auf alten Stegen, Möwen ziehen Kreise über Erinnerungen, und wer hier verweilt, hört das Meer erzählen. Frieden kehrt ein. Sorglosigkeit. Stille, die man hören kann.
Wie vom Winde verweht mache ich mich auf den Heimweg. Zu unserem Häuschen, wo eine heiße Tasse Tee auf mich wartet, vier Hundeaugen mich freudig begrüßen und Hannes mir ein Lächeln schenkt – eins von der Sorte, die wärmer sind als jede Decke.
Verzauberte Grüße aus Bovallstrand,
Martina 🌸






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