Der Winter zieht ein – und kleidet Schweden in kristallines Gewand.
Wie eine Märchenlandschaft liegt alles vor uns, verzaubert und still, und doch voller Leben. Die Vogelwelt ist erstaunlich lebhaft: Dompfaff-Pärchen mit roten Brustkleidern, Rotkehlchen mit ihrem kecken Gesang – und ein Specht, der offenbar beschlossen hat, seine Ehekrise am Stamm der alten Eiche vor unserem Fenster auszutragen. Er hämmert so leidenschaftlich, dass man fast meint, er wolle die ganze Nachbarschaft wachrütteln. Was auch immer ihn treibt – für uns ist es ein herzlicher, fast belustigender Anblick.
Drinnen haben Freddy und Chico längst ihre Winterplätze gefunden: Freddy thront wie ein König auf der Bank am Fenster, eingekuschelt ins Fell, während Chico die Wärme des Ofens für sich beansprucht – pure Entspannung, ohne den leisesten Gedanken an Aktivität.
Am Meer zeigt sich der Winter von seiner wilden Seite.
Die Felsen und Schären sind von Eis umhüllt, die Holzstege glitzern wie mit Zuckerguss überzogen. Jeder Schritt ist ein kleines Wagnis, doch die Schönheit ist überwältigend – wir können uns nicht sattsehen. Die kalte Meeresluft öffnet den Blick weit hinaus: manche Flächen sind schon zugefroren, andere fließen frei und dunkel.
Die Boote schlafen fast alle an Land, eingehüllt in ihre Winterschlafkleider. Nur ein paar Fischer trotzen der Kälte, fahren hinaus, sammeln ihre Reusen ein – ein Bild von Idylle und harter Arbeit zugleich.
Und wir genießen unsere letzten kulinarischen Abenteuer.
Noch einmal Fisch bei Ollsons oder im Bella Gästis: kein Tiefkühlstäbchen, sondern frischer Fang direkt auf dem Teller. Flunder, Scholle, Seelachs, Kabeljau – selbst der Fischpudding ist eine Versuchung wert. Ich gestehe: der Fisch hat mich verführt.
Bovallstrand erstrahlt bereits im Lichterglanz.
Christbäume, Sterne, Ketten aus funkelnden Lichtern verzaubern die Ortschaft und den Hafen. Am Abend liegt alles in sanfter Ruhe, Möwen tanzen noch ein wenig im Himmel, und gegen 15:40 verschluckt die Dunkelheit die Sonne. Die langen Nächte beginnen, der Ofen knistert und wärmt unser Häuschen.
Unsere Abende gehören dem Vergnügen.
Mal Kino mit Monumentalfilmen auf der Leinwand, mal ein Würfelspiel zu zweit – nicht das Gewinnen zählt, sondern das Lachen. Der Sound donnert durch die Wände, doch hier am Waldrand stört es niemanden. Kein Nachbar klopft, selbst die Tiere scheinen Gefallen daran zu finden. Wenn die Dunkelheit den Garten umhüllt, höre ich manchmal tiefe, voluminöse Rufe – Stimmen, die nur von einem großen Tier stammen können. Vielleicht ist es Elchi, der sich bemerkbar macht, ohne sich zu zeigen. Wer weiß, wann er den Mut fasst, aus dem Schatten zu treten und uns zu begegnen.
Und so genießen wir die letzten Tage – wissend, dass diese Zeit in Schweden ein Geschenk war und bleibt.
„Vielleicht ruft Elchi heute Nacht wieder – bis dahin ein fröhliches Hej aus Bovallstrand!“








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