🐾 Wanderungen auf den Schären – aus zwei Blickwinkeln

Zwischen Samhain, Seelenwetter und Segelschiffen

Hier in Schweden, weit entfernt von Halloween-Hysterie und blinkenden Plastikspinnen, war die Dunkelheit spürbar – jene stille, ehrliche Dunkelheit, die dem Licht in Samhain begegnet. Kein Gruselkabinett im Vorgarten, sondern das leise Flüstern der inneren Schatten.

Abgelegen in unserem „Art-Inga-Lindström“-Häuschen, scheint alles friedlich. „Zwischen Schären und Fjordlandschaft, wo das Meer sich wie ein Atemzug ins Land zurückzieht, wanderten wir durch die Stille. Es war, als würde die Erde selbst eine Pause machen, um zuzuhören.“

Die Stille lädt zur Innenschau ein – manchmal auch zur Begegnung mit dem eigenen kleinen Gruselkabinett. Denn seien wir ehrlich: Die wirklich unheimlichen Gestalten wohnen nicht unter dem Bett, sondern manchmal im eigenen Gedankenhaus.

Ich hatte da etwas im Gepäck. Nicht sichtbar, aber schwer. Es bestätigt sich immer wieder: Du kannst nichts zurücklassen, was du nicht angeschaut hast. Also nahm ich es mit – samt Wanderschuhen und Hundegespann – auf einen langen Spaziergang über eine kleine Schäreninsel.

Das Wetter draußen? Ein Spiegel meines Innenlebens: düster, windig, wechselhaft, keine klare Sicht. Also ließ ich meine Gedanken laufen. Und meine Tränen auch. Es war ein „vom Herzen laufen“ – kein Ausweichen, sondern ein Durchwandern. Dieser Ort, gefühlt mitten im Meer, war genau richtig. Die Wellen sprachen, der Wind hörte zu. Und ich ließ los.

Die Natur ist eine Meisterin der Metaphern: Die Wellen nehmen Sorgen mit, der Wind pustet alte Geschichten fort. Und während ich die Runde um die Insel ein zweites Mal ging, riss der Himmel auf. Die Sonne brach durch, alles bekam einen goldenen Glanz. Als hätte der Himmel gesagt: „Na endlich, du hast’s verstanden.“

Chico und Freddy standen da wie zwei Leuchtturmwärter, den Blick aufs Meer gerichtet. Was sie wohl dachten? Vielleicht: „Ahoi, Frauchen ist wieder auf Kurs.“

Und dann – wie ein Siegel – glitt ein Segelschiff vorbei. Magisch, kraftvoll, vom Wind getragen. Es war, als würde das Leben selbst sagen: „Wenn du deine Segel in den stärksten Wind drehst, nimmt die Fahrt Fahrt auf.“ Genau das ist es: Prozesse, die wir durchlaufen, wenn wir ins Neue aufbrechen. Nicht immer bequem, aber immer echt.

Gemeinsam gingen wir weiter. Die Hunde, der Wind, mein Herz. Und am Ende wartete eine heiße Tasse Cappuccino und ein knisterndes Feuer im Ofen. Manchmal ist das Leben eben doch ein Inga-Lindström-Film – nur mit mehr Tiefe und weniger Kitsch.

Und so wurde aus einem düsteren Spaziergang ein goldener Kurswechsel – mit Wind im Rücken, Herz in Bewegung und zwei Leuchtturmhunden an meiner Seite. Das Leben? Ein Segeltörn durch die eigenen Tiefen, mit Cappuccino und Kaminfeuer als Hafen.

Hej då!

Martina 




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