Krakau statt Warschau – unser Reiseplan hat offenbar ein Eigenleben
Wir werden dort wundervolle Menschen treffen, gemeinsam ein besonderes Event erleben, uns austauschen, feiern, lachen und natürlich auch wieder hinter die Kulissen des Social Tradings schauen. Es sind Menschen dabei, die sich auf neue Wege eingelassen haben, Visionen haben und nicht unbedingt immer dort entlanglaufen, wo schon seit Jahrzehnten die ausgetretenen Trampelpfade liegen. Genau diese Mischung aus Begegnungen, neuen Gedanken und gemeinsamem Erleben macht für mich inzwischen einen großen Teil solcher Reisen aus.
Und dann wäre da natürlich noch Krakau selbst. Eine Stadt, die wir nicht einfach zwischen Frühstück und Event schnell abhaken wollen, sondern in die wir eintauchen möchten. Durch die Altstadt schlendern, schauen, riechen, essen, entdecken, irgendwo hängen bleiben, weil uns eine Gasse, ein Haus oder ein Café gefällt, und uns auch ein bisschen treiben lassen. Weil eine Stadt vom Wasser aus noch einmal eine ganz andere Geschichte erzählt, ist auch schon ein Boot gemietet, mit dem wir auf der Weichsel durch Krakau schippern werden. Ich freue mich jetzt schon darauf, die Stadt einmal aus dieser Perspektive zu sehen und dabei ausnahmsweise nicht aufpassen zu müssen, ob vor meinen Füßen gerade wieder ein historischer Pflasterstein lauert.
Bevor wir allerdings überhaupt einen Fuß nach Krakau setzen, hatten wir bereits unser erstes kleines Reiseabenteuer: die Hotelsuche.
Man könnte meinen, ein Hotel zu buchen sei heutzutage eine Sache von zwanzig Minuten. Krakau eingeben, Datum auswählen, fünf Sterne anklicken, hübsche Bilder anschauen, buchen und fertig. Das funktioniert vermutlich auch hervorragend – wenn da nicht Frau Kutter wäre.
Denn Frau Kutter möchte nicht einfach irgendwo ihren Koffer abstellen und nachts ein Dach über dem Kopf haben. Wenn ich schon verreise, möchte ich mich auch in meinem Zimmer wohlfühlen. Ich liebe Ästhetik, schönes Ambiente, besondere Häuser und diese kleinen Details, bei denen das Auge auch etwas von der Reise hat. Ein Hotelzimmer darf für mich durchaus mehr sein als der Ort, an dem Zahnbürste und Schlafanzug auf ihren nächsten Einsatz warten. Ich möchte morgens die Augen aufmachen und mich über den Raum freuen und nicht denken: Na ja, praktisch ist es wenigstens.
Also begann unsere kleine Odyssee durch Buchungsportale, Hotelseiten und gefühlt halb Krakau. Dabei haben wir etwas entdeckt, das mir ausgesprochen gut gefällt: Gerade in der Altstadt gibt es viele kleinere, gewachsene Hotels, keine riesigen Kästen mit Hunderten identischen Zimmern, sondern Häuser mit Geschichte, überschaubarer Zimmerzahl und ganz eigenem Charme. Selbst im Fünf-Sterne-Bereich findet man diese kleineren Häuser, die nicht nach internationalem Hotelstandard von der Stange aussehen, sondern ihren eigenen Charakter behalten haben.
Eigentlich genau das, was ich gesucht hatte.
Nur hatten diese charmanten Zimmer einen kleinen Haken, und der war erstaunlich konsequent 1,60 Meter breit.
Denn sehr viele Doppelbetten, die uns begegneten, hatten genau dieses Maß. Nun mag ein Bett von 1,60 Metern für zwei Menschen durchaus als Doppelbett durchgehen. Für uns fällt das eher in die Kategorie nächtliches Trainingslager für Grenzverhandlungen. Ich brauche meinen Platz, und neben mir liegt schließlich auch noch ein Mann, der ebenfalls einen gewissen Platzbedarf hat und darüber hinaus die wunderbare Fähigkeit besitzt, die nächtliche Stille gelegentlich durch eine ganz eigene akustische Untermalung zu bereichern. Ein bisschen räumliche Distanz ist da durchaus förderlich für den ehelichen Frieden.
So wurde während unserer Suche ausgerechnet das Bett zu einem der wichtigsten Auswahlkriterien. Wir fanden wunderschöne Hotels, tolle Zimmer, herrliche Einrichtungen und perfekte Lagen, und dann kam wieder dieses kleine Detail: Bettbreite 1,60 Meter. Also weiter. Noch ein Hotel, noch eine Seite, noch ein Buchungsportal, wieder Bilder anschauen, Zimmer vergleichen, Lage prüfen – und irgendwann waren wir nach unserer ausgedehnten Reise durch die Krakauer Hotellandschaft wieder genau dort angekommen, wo wir ganz am Anfang schon einmal gewesen waren.
Beim ersten Hotel.
Das hätte man natürlich einfacher haben können, aber dann hätten wir ja nicht gewusst, dass wir bereits am Anfang das Richtige gefunden hatten. Manchmal braucht es offenbar eine komplette Runde durch das Internet, um anschließend zufrieden wieder am Ausgangspunkt anzukommen.
Und dort fanden wir schließlich auch unser Bett. Queen Size, 1,80 mal 2 Meter. Für unsere Verhältnisse immer noch eher die kuschelige Variante, aber offensichtlich ungefähr das Maximum dessen, was Krakau uns beiden zugestehen möchte. Damit konnten wir leben.
Was wir bei unserer Suche allerdings nicht bedacht hatten: Ein größeres Bett braucht offenbar auch ein größeres Zimmer. Und dieses größere Bett stand nun ausgerechnet in einer Suite.
So kommt man also zu seiner Suite.
Nicht, weil Frau Kutter unbedingt eine Suite braucht oder wir beschlossen hätten, in Krakau plötzlich herrschaftlich zu residieren. Nein, wir wollten schlicht und ergreifend nachts genügend Platz haben, ohne Grenzsteine auf der Matratze aufstellen zu müssen. Dass sich rund um diese 1,80 Meter Bett nun auch noch ein wunderschönes Zimmer mit viel Platz und genau dem Ambiente befindet, das Frau Kutter ohnehin sehr zu schätzen weiß, ist ein Nebeneffekt, mit dem ich mich ausgesprochen gut arrangieren kann.
Und damit war unsere kleine Hotel-Odyssee tatsächlich erfolgreich eingetütet. Wir haben ein wunderschönes Haus mitten in Krakau, sind zentral in der Stadt, können vieles zu Fuß entdecken und haben genau diese Mischung aus Charme, Ästhetik und Atmosphäre gefunden, die ich mir für diese Reise gewünscht habe. Dass wir dafür erst einmal durch gefühlt sämtliche verfügbaren Hotelzimmer Krakaus reisen mussten, gehört inzwischen einfach zur Geschichte dazu.
Überhaupt nimmt diese Reise immer mehr Gestalt an. Die Flüge sind gebucht, unser Hotel ist gefunden, das Boot wartet auf uns und rundherum entstehen nach und nach die Dinge, auf die wir uns freuen können. Trotzdem sind es bei all diesen schönen Plänen am Ende vor allem die Menschen, die diese Reise besonders machen werden. Menschen wiederzutreffen, mit denen inzwischen etwas Gemeinsames entstanden ist, neue Menschen kennenzulernen, Gespräche zu führen, Ideen auszutauschen, miteinander zu lachen und gemeinsam dieses besondere Event zu erleben – genau darauf freue ich mich.
Und irgendwo dazwischen gehören uns auch Krakau und ein paar Tage, an denen wir einfach schauen, wohin uns diese Stadt zieht. Warschau darf also noch ein bisschen auf uns warten. Krakau hat sich frech vorgedrängelt und inzwischen habe ich das Gefühl, dass das ganz genau so sein sollte.
Denn planen kann man erstaunlich viel. Man kann Flüge buchen, ein wunderschönes Hotel finden, ein Boot mieten und sich überlegen, was man alles erleben möchte. Man kann sogar wegen zwanzig Zentimetern mehr Bettbreite ganz unschuldig in einer Suite landen.
Nur das Leben selbst hält sich hartnäckig an keine Buchungsbestätigung.





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